
Wer zum ersten Mal auf einem Long John sitzt, stutzt kurz: Das Vorderrad ist weit weg, dazwischen liegt die Ladefläche — und trotzdem soll das Rad präzise um die Ecke gehen? Genau dafür ist die Lenkung verantwortlich. Bei Velo Lab ist sie anders gelöst als bei den meisten Lastenrädern: mit Seilzügen statt mit einer Schubstange. In diesem Beitrag erklären wir, wie die Seilzuglenkung funktioniert und was das für dich im Alltag bedeutet.
Beim normalen Fahrrad ist die Sache einfach: Der Lenker sitzt direkt über dem Vorderrad, du drehst, das Rad dreht mit. Beim Long John liegt zwischen Lenker und Vorderrad die Ladefläche — die Lenkbewegung muss also über eine ordentliche Distanz nach vorn übertragen werden.
Die meisten Long Johns lösen das mit einer Schubstange: einer starren Stange, die unter oder neben der Ladefläche entlangläuft und die Drehung des Lenkers mechanisch ans Vorderrad weitergibt. Das funktioniert, hat aber Nachteile: Die Geometrie der Stange begrenzt den Lenkeinschlag, die Gelenke können mit der Zeit Spiel entwickeln, und die Übersetzung ist selten über den gesamten Einschlag gleichmäßig.
Unsere Seilzuglenkung geht einen anderen Weg. Statt einer Stange übertragen zwei gegenläufig arbeitende Stahlseile die Lenkbewegung: Drehst du den Lenker nach links, zieht das eine Seil das Vorderrad in die Kurve, das andere gibt entsprechend nach — und umgekehrt. Beide Seile stehen dabei permanent unter Spannung.
Genau diese Vorspannung ist der Trick: Weil nie ein Seil „durchhängt", arbeitet die Lenkung spielfrei. Es gibt kein Ruckeln, kein totes Gefühl um die Mittellage, keine ausgeschlagenen Gelenke, die nachjustiert werden müssten.

Das häufigste Feedback von Menschen, die zum ersten Mal ein Velo Lab fahren: „Es fährt sich wie ein ganz normales Fahrrad." Die Lenkung reagiert direkt und ohne Verzögerung — du denkst die Kurve, das Rad fährt sie. Gerade bei einem Rad, auf dem auch mal Kinder oder Wocheneinkäufe mitfahren, ist dieses vorhersehbare, natürliche Fahrgefühl Gold wert.
Dazu kommt der Lenkeinschlag: Die Seilzuglenkung erlaubt rund 100 Grad in beide Richtungen — deutlich mehr, als eine Schubstangen-Geometrie hergibt. Im Alltag heißt das: rangieren auf engstem Raum, wenden auf der Stelle, die enge Hofeinfahrt ohne Absteigen.
Zwei Seile bedeuten auch: Redundanz. Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass ein Seil reißt, bleibt das Rad über das zweite lenkbar — du kommst kontrolliert zum Stehen. Stahlseile aus dem Fahrradbereich sind zudem ein seit Jahrzehnten bewährtes Bauteil, dessen Belastungsgrenzen bestens bekannt sind.
Und im Unterhalt? Die Züge sind Standard-Fahrradteile. Es braucht keine Spezialkomponenten und kein Sonderwerkzeug — jede Fahrradwerkstatt der Welt hat passendes Material da. Im laufenden Betrieb beschränkt sich die Pflege darauf, gelegentlich die Spannung zu prüfen.
Die zentralen Teile der Lenkung selbst werden in Deutschland CNC-gefräst. Das sorgt für die Passgenauigkeit, von der die Spielfreiheit der Konstruktion lebt.
Die Seilzuglenkung ist einer der Gründe, warum sich ein Velo Lab nicht wie ein „Transportgerät" fährt, sondern wie ein Fahrrad: direkt, spielfrei, mit riesigem Lenkeinschlag — und im Unterhalt so unkompliziert wie ein Bremszug. Wer einmal damit rangiert hat, will nicht mehr zurück zur Stange.
Und die Entwicklung geht weiter: In Kriebstein arbeiten wir bereits an der nächsten Generation — der Seilzuglenkung 3.0. Sobald es dazu Details gibt, liest du sie hier im Blog.
Am besten versteht man die Seilzuglenkung auf einer Probefahrt. Schreib uns — wir melden uns mit Terminvorschlägen.
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